Diagnose: Katzendiabetes

Kater "Emil"
Kater „Emil“

Die Katze hat Diabetes, und jetzt?!

Angefangen hat es vor gut einem Jahr, mein zehn Jahre alter Kater „Emil“ – ein Perser-Menkun-Mix und ein wirklich stattlicher Kater – hat auffällig viel getrunken. Dementsprechend oft hat er die Katzentoilette aufgesucht. Dann ging auch öfters Mal was daneben. Er bekam Heißhunger und verlor an Körpergewicht. Beim Tierarzt war die Diagnose schnell gestellt: Katzendiabetes.

Das nächste halbe Jahr sollte eine Tortur werden: Regelmäßig in die Tierarztpraxis, um den Blutzucker bestimmen zu lassen. Alle zwei bis drei Wochen wurde das Insulin (ProZinc) um 0,5 Internationale Einheiten (IE) erhöht. Nach etwa drei Monaten war der Kater bei zweimal täglich 6 IE angekommen. Und der Blutzuckerwert? Der war unverändert hoch und lag bei weit über 600 Milligramm pro Deziliter (mg/dl).

Der ursprünglich 6,5 Kilogramm schwere Kater wog nur noch 4,2 Kilogramm und urinierte jeden Tag mehrfach im gesamten Haus überall hin. Die Nerven lagen blank. Das Insulin schlug nicht an. Also auf Humaninsulin (Lantus) gewechselt. Alles in Absprache mit der Tierärztin. Ein Versuch war es wert. Das Futter hatte ich von Beginn an auf Royal Canin Diabetic umgestellt. Der Kot stank seitdem fürchterlich und sogar der Kater begann die Katzentoilette zu meiden. Stattdessen bevorzugte er Teppichvorleger und die Badewanne. Emil wirkte zunehmend ungepflegt, hatte struppiges, schuppiges und mattes Fell. Die sonst so verschmuste und anhängliche Katze zog sich mehr und mehr in die Gästetoilette zurück.

Auf Lantus reagierte der Kater nicht. Glucosewerte jenseits der 600 mg/dl waren die Regel. Weil die Entzündungswerte sich erhöhten bekam er nun auch ein Antibiotikum. Die Tierärztin war mit ihrem Latein am Ende und empfahl die Vorstellung in einer Tierklinik.

Die Kleintierklinik der Justus-Liebig-Universität in Gießen hat einen guten Ruf. Schnell bekam ich einen Termin und stellte den Kater nach knapp vier Monaten seit Behandlungsbeginn dort vor. Einen Tag lang nahmen sich die Tierärzte für ihn Zeit, stellten Emil auf den Kopf. Die Katzendiabetes bestätigte sich, außerdem eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis). Das erklärte die erhöhten Entzündungswerte und möglicherweise auch die Tatsache, warum Emil nicht auf das Insulin reagierte.

Ob wir mal ein 24-Stunden-Blutzucker-Profil erstellt haben? Nö, wie denn?! Den Blutzucker könne doch nur die Tierarztpraxis messen. Weit gefehlt! Musste ich tatsächlich erst knapp 180 Kilometer weit nach Gießen fahren, um zu erfahren, dass ich den Blutzucker bei einer Katze auch selbst und zu Hause messen kann? Ja, musste ich! Mein Vertrauen zu Emils Haustierärztin war gestört. Ein kleiner Picks ins Katzenohr, ein kleiner Tropfen Blut auf den Teststreifen und das Messgerät hat in wenigen Sekunden den Glucosewert bestimmt. Dafür war ich tatsächlich Woche um Woche in die Tierarztpraxis gefahren und hab auch noch richtig Geld hingelegt?! Am Ende ist man immer schlauer.

Also alles nochmal von vorn: Den Blutzuckerwert zu Hause selbst bestimmt. Von nun an bekommt der Kater konsequent nur noch fettarmes Futter (Vet-Concept Cat Sana Pferd) angereicht, damit sich die Bauchspeicheldrüse erholen kann. Von den anderen Katzen frisst er getrennt. Naschen verboten! Die Katzentoilette ist ausgetauscht und zwei weitere Toiletten sind aufgestellt. Zur Fruktosamin- und Vitamin-B-12-Bestimmung geht´s dann doch nochmal zur Haustierärztin. Sie kennt den Kater und seine Leidensgeschichte.

Mittlerweile war Emil bei zweimal täglich 3 IE Lantus angekommen, dachte ich. Dachte ich zumindest bis zu dem Zeitpunkt, an dem ich feststellte, dass ich die falschen Spritzen bestellt hatte und dem Kater regelmäßig eine Überdosis von zweimal täglich 8 IE verabreichte. Es sollte folgenlos bleiben und die Blutzuckerwerte lagen zwischen 500 mg/dl und über 600 mg/dl. Oder war es doch ein kleiner Erfolg?! Immerhin kam er mal unter die 600 mg/dl!

Dann die Schreckensnachricht: Der Insulin-like growth factor (IGF-1-Faktor) ist enorm erhöht. Hierdurch bedingt habe Emil eine Akromegalie entickelt. Die Haustierärztin ging davon aus, dass Emil einen Hypophysentumor hat und insulinresistent sei.

Gedanklich habe ich meinen Kater fast schon aufgegeben. Sollte ich ihm bevorstehendes Leid ersparen? Diese Frage beschäftigte. Gießen blieb am Ball. Ich sollte Tagebuch führen: Wieviel trinkt der Kater? Wieviel frisst er? Wieviel wiegt er? …

In den nächsten Tagen sollte ich nochmal nach Gießen fahren. Ich lehnte ab. Ich suchte auch nicht mehr unsere Haustierärztin auf. Warum? Emil hatte zugenommen. Er nahm die neue Katzentoilette an und nahm wieder am Familienleben teil. Vorsichtig erhöhte ich die Insulineinheiten und kontrollierte den Blutzucker. Heute sind wir bei zweimal täglich 11 IE angekommen. Der Blutzucker hat sich zwischen 60 mg/dl und mit wenigen Ausreißern (wenn er vom anderen Futter genascht hat) knapp über 200 mg/dl eingependelt. Damit ist er noch nicht optimal eingestellt, aber es ist ein Erfolg, den ich so nicht mehr erwartet habe. Emil kommt wieder angeschmust, hat seine stattliche Größe und sein ursprüngliches Gewicht wieder zurück. Das Fell glänzt und seit Monaten ging nichts mehr daneben oder auf irgendeinen Teppich beziehungsweise in die Badewanne. Der Kater scheint seine Lebensfreude zurück zu haben. :-)

Zu Fressen bekommt er nach wie vor Vet-Concept Cat Sana Pferd, wenn er nicht gerade an den Fressnäpfen der anderen Katzen genascht hat. Das Glucose-Messgerät von VetMate habe ich gegen das „humanmedizinische“ Accu-Chek Aviva ausgetauscht. Die Teststreifen sind da einfach günstiger und in den niedrigen Messbereichen sind die Werte in etwa gleich. Schwankungen habe ich von etwa 20 mg/dl gemessen, diese werden beim Accu-Chek einfach hinzugerechnet.

Zum Schluss noch ein Tipp und ein Dankeschön:
Allen Katzenliebhabern, deren Tier an Katzendiabetes erkrankt ist, kann ich die Seite www.katzendiabetes.info empfehlen. Sie ersetzt keine tierärztliche Behandlung, hat aber gute Tipps und Erklärungen parat.
Danke möchte ich sagen, den Helferinnen meiner Haustierarztpraxis, aber auch Emils Haustierärztin, die ihn nicht aufgegeben hat. Ein ganz besonderer Dank gilt der behandelnden Ärztin der Kleintierklinik der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Ihre Kompetenz und ihre hilfreichen Empfehlungen haben uns auf einen guten Weg gebracht. Allen ein herzliches Dankeschön.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.